Im August 2024 teilte ein Zuricher Musikproduzent ein unveroffentlichtes Instrumental uber WeTransfer mit einem Berliner Label-A&R nach einem Showcase. Das Label lehnte eine Unterzeichnung ab. Vier Monate spater horte der Produzent eine melodische Struktur, die seinem unveroffentlichten Track in der Debutsingle eines signierten Kunstlers sehr ahnlich war. Das Label erklarte, der Kunstler habe die Melodie unabhangig entwickelt. Der Produzent hatte einen WeTransfer-Linkverlauf und einen Dropbox-Ordner. Sein Anwalt erklarte, dass Dateisystemdaten manipulierbar seien, WeTransfer-Metadaten vor Gericht nicht zulassig seien und der Produzent ohne einen qualifizierten Zeitstempel keine rechtliche Grundlage habe. Der Streit gelangte nie vor Gericht, weil ohne Beweise nichts einzureichen war.
Die Musikindustrie lief schon immer auf Vertrauen: Handschlage, Versprechen und Beziehungen. Dieses Modell funktioniert, bis es das nicht mehr tut. Und wenn es zusammenbricht, bricht es vor Gericht zusammen, mit Anwalten, mit Jahren Ihres Lebens und Ihrer Karriere auf dem Spiel. Die haufigste Ursache fur Streitigkeiten im Bereich geistigen Eigentums in der Musik ist kein Diebstahl. Es ist Unklarheit. Zwei Menschen in einem Studio, ein WhatsApp-Thread mit Sprachnachrichten, ein kollaboratives Dokument, das sich uber Monate entwickelt hat, und kein objektiver Nachweis, wer was und wann beigetragen hat. Ein kryptografischer Zeitstempel, der vor dem Teilen, vor dem Unterzeichnen, vor der Zusammenarbeit erstellt wird, beseitigt diese Unklarheit dauerhaft.