Eine Paralegal namens Mara oeffnet in einer Basler Kanzlei ihr erstes versiegeltes Zertifikat. Die Seite ist klar, doch sie ist voller Woerter, die Mara bei der Arbeit noch nie gebraucht hat: Hash, Zeitstempel, Siegel, Escrow. Sie muss das Dokument innerhalb einer Stunde einem Kunden erklaeren. Siegeln ist das Verb, das wir dafür verwenden, und ein Dokument zu siegeln heisst, seinen Fingerabdruck und die Zeit festzuhalten, damit es später geprüft werden kann. Diese Woerter begegnen Ihnen auf dem Zertifikat selbst, in Hilfeseiten und in jedem Streit, in dem die Datei zählt. Dieses Glossar gibt jedem Wort einen einfachen Satz, mit einem Link zur Regel oder Norm dahinter, damit Sie ein versiegeltes Dokument ohne Jusstudium lesen können.
So nutzen Sie diese Liste
Jedes Wort unten erhaelt einen einfachen Satz und danach eine kurze Notiz mit einem Link zur Regel oder Norm dahinter.
Sie müssen die Liste nicht der Reihe nach lesen. Springen Sie zu dem Wort, das auf Ihrem Zertifikat steht. Wo ein Gesetz genannt wird, oeffnet der Link den amtlichen Text, damit Sie den Wortlaut selbst prüfen können. Steht ein Wort hier nicht auf Ihrem Zertifikat, können Sie es ohne Weiteres ueberspringen. Das sind allgemeine Erklaerungen, keine Rechtsberatung für Ihren Fall.
Hash, auch Fingerabdruck genannt
Ein Hash ist ein kurzer Code, der aus einer Datei errechnet wird, und jede Aenderung der Datei, selbst ein einzelner Buchstabe, ergibt einen anderen Code.
Weil der Code nur zu genau dieser Datei passt, wirkt er wie ein Fingerabdruck für Daten. Er wird mit einem öffentlichen Verfahren erzeugt, etwa den SHA-Funktionen aus NIST FIPS 180-4. Zwei verschiedene Dateien teilen fast nie denselben Code, daher ist er eine verlaessliche Prüfung, dass eine Datei nicht verändert wurde. Dieselbe Datei ergibt immer denselben Code, daher kann jede Person die Prüfung wiederholen und dasselbe Ergebnis erhalten. Beim Siegeln wird nur dieser Hash an die Zeitstempelstelle gesendet, nicht die Datei selbst.
Qualifizierter Zeitstempel
Ein qualifizierter Zeitstempel ist ein vertrauenswuerdiger Nachweis der genauen Zeit, zu der eine Datei bereits existierte.
In der EU regelt eIDAS Artikel 42 den qualifizierten elektronischen Zeitstempel, und das technische Verfahren, dem die meisten Werkzeuge folgen, beschreibt RFC 3161. Qualifiziert heisst, dass ein vertrauenswuerdiger Anbieter ihn nach festen Regeln ausgestellt hat, daher wiegt er mehr als die Uhr auf Ihrem eigenen Rechner. Er beweist einen Zeitpunkt, nicht den Inhalt der Datei. Der Zeitstempel beantwortet also eine Frage gut: Hat diese Datei bis zu diesem Moment existiert?
Qualifizierte elektronische Signatur (QES) und elektronisches Siegel
Eine qualifizierte elektronische Signatur verbindet ein Dokument mit einer geprueften Identität, und das Gesetz behandelt sie wie eine handschriftliche Unterschrift.
Nach der EU-eIDAS-Verordnung und dem Schweizer Bundesgesetz über die elektronische Signatur (ZertES) hat eine qualifizierte elektronische Signatur dieselbe rechtliche Wirkung wie eine handschriftliche Unterschrift. Das Wort qualifiziert ist entscheidend: Die Identität der unterzeichnenden Person wurde von einem vertrauenswuerdigen Anbieter geprüft, bevor die Signatur ausgestellt wurde. Eine einfache elektronische Signatur, etwa ein getippter Name, erreicht diese Stufe nicht. Ein elektronisches Siegel leistet dasselbe für eine Organisation statt für eine einzelne Person.
KYC, die Identitaetspruefung
KYC, kurz für know your customer, bedeutet zu prüfen, dass eine echte, benannte Person hinter einer Registrierung steht.
Es ist der Schritt, der aus einem anonymen Konto eines macht, das an eine gepruefte Person gebunden ist. In der Praxis kann das heissen, ein amtliches Dokument oder einen geprueften Login zu kontrollieren, damit der Name auf dem Konto ein echter ist. Eine Signatur ist nur so stark wie der Nachweis, wer dahintersteht, daher liegt diese Prüfung unter allem anderen auf dem Zertifikat.
Escrow
Escrow ist ein Wiederherstellungsweg, der Ihnen helfen kann, den Zugang zurueckzuerlangen, wenn Sie ihn verlieren.
Es ist eine Absicherung, die getrennt vom taeglichen Login beiseitegelegt wird, damit ein verlorenes Passwort nicht verlorene Unterlagen bedeuten muss. Wo es besteht, wird es im Voraus eingerichtet und nur in festgelegten Fällen genutzt, etwa bei einer Person, die sich nicht mehr anmelden kann. Sehen Sie es als Ersatzweg, nicht als Versprechen über ein bestimmtes Ergebnis.
Nachweiszertifikat
Ein Nachweiszertifikat ist das Dokument, das festhaelt, was gesiegelt wurde und wann es gesiegelt wurde, nicht wer es geschrieben hat.
Es bringt den Hash und den Zeitstempel auf einer lesbaren Seite zusammen, mit einem öffentlichen Link, den jede Person ohne Konto oeffnen kann, um beide zu prüfen. Behauptet später jemand, die Datei sei anders gewesen, kann mit dem Zertifikat jede Person den gespeicherten Fingerabdruck mit der vorliegenden Datei vergleichen. Nichts auf der Seite gibt den Inhalt der Datei öffentlich preis. Lesen Sie es als Nachweis eines Moments: Diese Datei existierte in genau dieser Form zu dieser Zeit, und nicht mehr.
Ein Zertifikat mit diesen Woertern in der Hand lesen
Mit diesen sechs Woertern ist ein versiegeltes Zertifikat keine Wand aus Fachjargon mehr.
- Hash: der Fingerabdruck der Datei.
- Zeitstempel: der Moment, in dem sie existierte.
- Signatur oder Siegel: die gepruefte Identität dahinter.
- Zertifikat: die Seite, die alle drei zusammenhaelt.
Wenn Sie das nächste Mal eine versiegelte Datei erhalten, oeffnen Sie ihren öffentlichen Verifizierungslink und lesen Sie das Zertifikat Zeile für Zeile. Der Hash ist der Fingerabdruck, der Zeitstempel ist der Moment, die Signatur ist die Identität, und das Zertifikat verbindet sie. Mehr über die Plattform erfahren Sie auf swisstrustlayer.com, oeffnen Sie dann ein Zertifikat und lesen Sie es selbst.





