Viele Dokumente benötigen mehr als eine Unterschrift: ein Vertrag zwischen zwei Unternehmen, ein Vorstandsbeschluss, der mehrere Direktoren erfordert, ein Gesellschaftsvertrag, eine Einigung, der beide Seiten zustimmen müssen. Die Frage, die diese Dokumente aufwerfen, lautet nicht nur, ob alle zugestimmt haben, sondern ob jede einzelne Signatur für sich, unabhängig von den anderen, geprüft werden kann.
Warum das Bündeln von Signaturen zu einer einzigen Freigabe nicht ausreicht
Manche Tools behandeln die Freigabe durch mehrere Parteien als ein einziges Ereignis: Alle klicken auf Freigeben, und das System speichert einen einzigen Abschlussstatus. Das genügt, um festzuhalten, ob ein Vorgang abgeschlossen wurde, verwischt aber eine wichtige Unterscheidung, wenn ein Streitfall sich später auf eine bestimmte Person konzentriert. Wird ein Dokument angefochten und geht es um die Frage, ob eine bestimmte Partei tatsächlich unterschrieben hat und wann, beantwortet ein einziger, gebündelter Status "abgeschlossen" das für sich genommen nicht.
Wie unabhängige Prüfung stattdessen funktioniert
Die Signatur jedes Unterzeichners ist eine eigene qualifizierte elektronische Signatur nach eIDAS und, für dieselbe rechtliche Gleichstellung mit einer handschriftlichen Unterschrift nach Schweizer Recht, nach OR Artikel 14 Absatz 2bis. Jede Signatur ist an die eigene verifizierte Identität des jeweiligen Unterzeichners und an einen eigenen qualifizierten Zeitstempel gebunden. Hat ein Dokument drei Unterzeichner, gibt es drei unabhängig prüfbare Signaturen im Datensatz, von denen jede geprüft werden kann, ohne dass die beiden anderen ebenfalls validiert werden müssen.
Das ist in der Praxis relevant. Ein Vorstandsbeschluss kann später gezielt von einem einzelnen Direktor infrage gestellt werden, nicht vom gesamten Vorstand. Bei einem Vertrag zwischen zwei Parteien kann eine Seite ihre eigene Signatur bestreiten, während die Signatur der anderen Seite überhaupt nicht infrage steht. Unabhängige Prüfung bedeutet, dass das Dokument eine Frage zu einem einzelnen Unterzeichner beantworten kann, ohne dass die Antwort von den anderen abhängt.
Was das für die zugrunde liegende Datei bedeutet
Das Dokument selbst bleibt eine einzige versiegelte Datei, einmal gehasht, sodass jede Änderung ihres Inhalts nach der Unterzeichnung genauso erkennbar ist wie bei einem Dokument mit nur einem Unterzeichner. Was die Mehrfachsignatur hinzufügt, ist, dass die Identitäts- und Signaturebene pro Unterzeichner besteht, nicht pro Dokument. Die Integrität der Datei ist eine Prüfung. Die Signatur jeder Person ist eine eigene, unabhängig prüfbare Tatsache.





