
eIDAS-Vertrauensdienste im Vergleich: Elektronisches Siegel vs. Signatur vs. Zeitstempel (2026)
eIDAS qualifiziert drei Vertrauensdienste: elektronische Signatur (Art. 25), Siegel (Art. 35) und Zeitstempel (Art. 41). Jeder dient einem anderen rechtlichen Zweck — erfahren Sie, welchen Ihr Unternehmen benötigt.
Im September 2024 wurde ein Zürcher IP-Anwalt von einem Schweizer Softwareunternehmen beauftragt, das wegen Urheberrechtsverletzung gegen einen Münchner Konkurrenten vorging. Das Unternehmen hatte das, was seine IT-Abteilung als eine digitale Signatur bezeichnete, vor dem Einreichungsdatum des Konkurrenten auf das Quellcode-Repository angewendet. Als der Anwalt das Dokument eingehend prüfte, wurde die Frage unangenehm: Handelte es sich um ein eIDAS-qualifiziertes Siegel nach Art. 35, einen qualifizierten Zeitstempel nach Art. 41 oder eine einfache elektronische Signatur ohne angehängte gesetzliche Vermutung? Das Unternehmen wusste es nicht. Auch der IT-Dienstleister wusste es nicht. Die für das Gericht benötigte gesetzliche Vermutung fehlte.
Die drei qualifizierten eIDAS-Vertrauensdienste sind eigenständige Instrumente mit unterschiedlichen Rechtswirkungen, unterschiedlichen berechtigten Inhabern und unterschiedlichen Beweisfunktionen. Die Wahl des falschen Dienstleistungstyps führt nicht zu einem geringfügigen Verwaltungsfehler. Sie kann den Unterschied ausmachen zwischen einer Vermutung, die Ihr geistiges Eigentum in allen 27 EU-Mitgliedstaaten schützt, und einem Dokument, das in einem grenzüberschreitenden Rechtsstreit kein Gewicht hat.
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